János Darvas sprach mit dem PREMIERE WORLD-Magazin über seine Arbeit als Konzertfilmer und sein Porträt des Komponisten Igor Strawinsky.

PREMIERE WORLD: Was ist das Besondere an Ihrem Porträt Igor Strawinskys?

János Darvas: Von Anfang an stand fest, dass ich keine Verwandten des Komponisten interviewen wollte oder Personen, die ihn noch gekannt haben. Das Porträt besteht ausschließlich aus alten Filmaufnahmen aus Strawinskys Zeit. Es zeigt Momente aus dem Leben eines großen Mannes des letzten Jahrhunderts.

Warum existieren so viele Filmaufnahmen von Igor Strawinsky?

Strawinsky war populär, in den Schlagzeilen und ein Mann, der das Leben genoss. Man darf nicht vergessen, dass er Ballettkomponist war. Und das Ballett war immer beliebt. Oft ließ er sich von Filmteams und Journalisten begleiten.

Sie filmen auch Konzerte. Wie gehen Sie dabei vor?

Die Partitur wird analysiert, alle Schnitte werden eingetragen. Es wird genau verzeichnet, in welchen Takten der Solist, der Dirigent und welches Instrument im Film zu sehen sein soll.

Herbert von Karajan führte in vielen Konzertfilmen selbst Bildregie. Sein Einsatz der Kamera war damals revolutionär...

Bahnbrechend. Wenn es die Karajan-Filme nicht gegeben hätte, wäre es nie zu einer Grammatik des Konzertfilms gekommen: Er zeigt mit filmischen Mitteln den Dialog zwischen Dirigent, Solist und Orchester. Er hat die Bildsprache wirklich gelernt. Manchen seiner Filme kann man sich nicht entziehen.

Wie reagieren die Künstler, wenn sie in einem Konzert gefilmt werden?

Die sind an Aufnahmen gewöhnt. Ich habe allerdings auch Leute erlebt, die sich schon aufgeregt haben, bevor wir überhaupt angefangen haben. Kurt Masur hat mal gesagt: "Bei mir kommt keine Kamera auf die Bühne". Dann kann ich das Konzert nicht aufzeichnen. Es gibt schon mal Kämpfe.

Wie eng ist die Zusammenarbeit mit den Musikern?

Ich arbeite völlig autark. Dokumentiere ein Konzert und hinterlasse in dem Film meine Handschrift. Es gibt schon einige Künstler, die gefilmt werden möchten wie eine Greta Garbo. Aber dann gehe ich sofort nach Hause. Ich sage dem Dirigenten ja auch nicht, wie er dirigieren soll.

Interview: Dirk Buhrmann
PREMIERE WORLD Magazin
Mai 2001


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